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Pressebericht vom 29. April 2016 (Quelle: www.wz.de)

Knöllchen schreiben in Friedrichstadt

OSD und Verkehrsüberwachung sollen bald in einer Abteilung zusammengehören. Die WZ war mit beiden Außendiensten auf Tour.
Hier: Knöllchen schreiben in Friedrichstadt.


Von Julina Kinast

Karen Kuklick und Dennis Grebe erklären einer Autofahrerin, die vor einer Schule im absoluten Halteverbot steht, wo sie legal parken kann.

 
Düsseldorf. Der schwarze Mercedes steht auf der Jahnstraße mitten im absoluten Halteverbot und blockiert auch noch zwei Garagenausfahrten. Dennis Grebe hält sein Smartphone hoch und drückt auf den Auslöser. Die Position des Autos gleich neben dem Halteverbotsschild wird mit Foto in einer App festgehalten, ebenso wie Marke, Farbe und die Stellung der Reifenventile. So könnte man später überprüfen, wie lange der Falschparker stehen bleibt. Karen Kuklick zückt derweil eine der bekannten und verhassten Hinweiskarten und schiebt sie unter den Scheibenwischer. In diesem Moment kommt der Fahrer des Autos aus einem Hauseingang. „Guten Morgen“, grüßt Dennis Grebe. Wortlos steigt der Mann ein und fährt davon.

Der Beruf ist alles andere als kuschelig

Dennis Grebe (32) und Karen Kuklick (33) werden in ihrem Job nicht unbedingt mit Höflichkeit überschüttet. Sie sind im Außendienst der Verkehrsüberwachung unterwegs. Und dieser Beruf ist alles andere als kuschelig. „Wir gehen den Leuten ans Geld“, erklärt Grebe. „Das ist ja die einzige Sprache, die Verkehrsteilnehmer verstehen.“ Aber entsprechend verärgert reagierten diese auch. Oder sogar aggressiv: „Die Hemmschwelle wird niedriger.“ Eine Entwicklung, die Partnerin Kuklick sogar nach zwei Jahren Elternzeit schon deutlich gespürt hat. „Man muss ein dickes Fell haben“, sagt sie. Sehr dick. Der OSD kontrolliert Leinenzwang, Wildgriller und Lärmschutz. Die Mitarbeiter kämpfen aber auch gegen die offene Drogenszene. Streife rund um den Bahnhof zwischen Dealerei und Straßenstrich

Erst vor einigen Wochen ist sie von einem notorischen Falschparker angegangen worden, er bremste den Dienstwagen aus, schlug gegen die Scheibe. Die 33-Jährige zuckt mit den Schultern: „Es wird härter.“

Die erforderlichen Daten können mit dem Handy schnell erfasst werden: Eine App gibt die Position der Reifenventile an.
 
Dabei sind es oft die Düsseldorfer selbst, die Grebe und Kuklick oder ihre Kollegen „bestellen“. Beschwerden von Bürgern werden zentral gesammelt und dann an die Dienste in den Bezirken weitergegeben. So hat Dennis Grebe gerade mehrere Tage lang die Halteverbotszone in der Jahnstraße in Friedrichstadt überwacht.

In der engen Einbahnstraße sorgen Falschparker ständig dafür, dass Anwohner aus den Schrägparkboxen nicht mehr herauskommen. Die Aktion hatte wohl Erfolg: An diesem Mittag steht nur ein Handwerker in der Verbotszone. Er telefoniert. „Ich fahr’ gleich weg“, winkt er ruppig ab. „Nein, Sie fahren jetzt weg!“, sagt Grebe lächelnd. Der Mann legt das Handy weg und gibt Gas.

Um die Ecke in der Kirchfeldstraße wird ebenfalls nicht falsch geparkt. Dafür steht ein silberner Audi dort mit einem Anwohnerparkausweis, der zu einer anderen Zone gehört, einem anderen Kennzeichen und der auch noch 2013 abgelaufen ist. Dennis Grebe lächelt nur, während er alles in seine Smartphone-App eintippt: „Man kann es ja mal versuchen. . .“ An der Kö seien schon gefälschte Parkscheine aufgetaucht: 50 Cent, Parkdauer acht Stunden. Er schüttelt den Kopf.

An der Bilker Allee erwischt das Team dann den dreistesten Parksünder des Tages: Ein schwarzer Audi steht dort einfach auf dem Bürgersteig – als Grebe das Kennzeichen in seine App eingibt, poppt ein Fenster auf: Dieses Kennzeichen wurde schon um 8.14 Uhr und um 11.10 Uhr ins System eingegeben. Jetzt ist es nach 14 Uhr – der dreiste Fahrer blockiert also seit sechs Stunden den Gehsteig.

Oft ist es Unwissen, das für Konflikte zwischen den Ordnungskräften und den Menschen auf der Straße führt. Wenn Karen Kuklick etwa ihr Dienstauto selbst im eingeschränkten Halteverbot parkt, um zu arbeiten, und dafür von Passanten angemeckert wird. „Wir haben für so etwas extra eine Ausnahmegenehmigung. Wir dürfen das“, erklärt sie. Dennis Grebe ärgert sich auch, wenn er spätabends in Wohngebieten kontrolliert, wo jeder Fleck im Halteverbot von Falschparkern besetzt ist, und sich anhören muss, da müsse wohl Geld in die Kasse der Stadt gespült werden. „Nachts fahren wir nur nach Beschwerden durchs Stadtgebiet“, macht er deutlich. „Nicht, um die schnelle Mark zu machen.“ Und nein: Es gebe weder Provision noch eine „Knöllchen-Quote“ für die Kontrolleure.

Manchmal gibt es auch schöne Erlebnisse

Manchmal gibt es aber auch schöne Erlebnisse. Dennis Grebe wurde mal von einer älteren Dame in Heerdt schüchtern auf der Straße angesprochen, weil Lkw dort abends die Parkbuchten der Anwohner zustellen – was sie nicht dürfen. Wochenlang hat der 32-Jährige danach kontrolliert, auch seine Kollegen auf das Gebiet angesetzt. Jüngst flatterte ein Dankesschreiben der Seniorin ins Büro von Grebes Chef. „Sie hat mich einen Engel genannt“, sagt der Verkehrsüberwacher und wird ein bisschen rot. Dieses Wort hat ihn für viele Schimpfwörter, die er sonst hört, entschädigt.


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